Tschüss, Traveling | the | Borderline

Die Geburtsstunde von Traveling the BorderlineLesezeit: 6 minuten

Tschüss, Traveling the Borderline

… Hallo, MENTAL HEALTH CROWD.

Mit diesem Post ist es offiziell: Traveling | the | Borderline gibt es nicht mehr. Die Inhalte, die Ziele dieser Seite, meiner Arbeit, bleiben die gleichen. Ab heute aber unter einem neuen Namen. Wieso, warum, weshalb – das lest ihr hier.


Es wird Zeit

Am 1. Oktober 2015 ging diese Seite als www.travelingtheborderline.com online. Samt Social Media Kanälen. Die Vorbereitungen dafür gingen bereits ein halbes Jahr davor los. Inhalte erstellen, Posts vorbereiten, Seite gestalten. Den Moment, als ich dann schließlich auf „Veröffentlichen“ geklickt habe, werde ich so bald wohl nicht vergessen.

Mit diesem Blog wollte ich zeigen, dass Borderline mehr ist als „Blut und Tränen“. Dass es auch die guten Tage gibt, dass man trotzdem Reisen kann, dass das Leben auch mit Krankheit schön sein kann. Als ich im Herbst 2013 meine Diagnose bekam und mich im Internet auf die Suche nach Informationen machte, fand ich einfach nichts, was mir gleichzeitig seriös und hilfreich erschien. Da waren trockene Sachtexte und dunkle Blogs, auf denen seit Monaten kein neuer Post mehr erschienen war – nicht sonderlich ermutigend.

Und einfach nicht das, was ich fühlte. Wie es sich für mich anfühle. Also beschloss ich, das Angebot zu ergänzen, ein Gegengewicht zu werden. Meine Seite, meine Erfahrungen zu teilen. Anfangs spielte das Thema „Reisen“ auch noch eine etwas größere Rolle – nicht umsonst heißt die Seite ja TRAVELING the Borderline. Das wurde aber nach und nach weniger, es gab einfach genug rund um Mental Health, worüber ich schreiben konnte und wollte.

Über die nächsten Wochen, Monate, Jahre schrieb ich also weiter, blieb dran. Die Seite veränderte sich, die Themen auch – und auch ich änderte mich. Und vor allem änderte sich die Welt, meine Welt außerhalb des Blogs. Enorm.

Ikigai gefunden

Denn bald war der Blog nicht mehr das einzige, was ich in Richtung meiner Mission („Ich will verändern, dass und wie wir über psychische Gesundheit reden“) tat. Schulprojekte, Aufklärungsarbeit, Vernetzung. Schritt für Schritt entwickelte ich mich, entwickelte sich die Mental Health Advocate in mir.

Ich bekam mehr und mehr Rückmeldungen, Nachrichten, Anfragen. Am häufigsten darunter: Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass endlich mal jemand den Mund aufmacht. Dass endlich mal jemand offen über diese Themen redet. Aber auch ich profitierte und profitiere von meiner Arbeit.

Wem der japanische Begriff Ikigai was sagt, den wird nicht wundern, dass ich heute eine deutlich höhere Lebensqualität habe, als früher (was nicht heißt, dass meine Krankheiten verschwunden sind). Bei Ikigai geht es um vier Kernfragen:

  • Was lieben Sie? (Leidenschaft)
  • Was braucht die Welt von Ihnen? (Aufgabe)
  • Worin sind Sie gut? (Berufung)
  • Wofür können Sie bezahlt werden? (Beruf)

Und meine Mission tickt alle diese Boxen. Ein unbezahlbares Geschenk – und nicht selbstverständlich, das weiß ich wohl.

Das magische Jahr 2018

Als ich damals mit dem Bloggen anfing las ich an diversen Stellen von diversen Leuten, dass es circa drei Jahre braucht, bis ein Blog „groß“ bzw. „erfolgreich“ ist. Was in meinem Fall genau jetzt „groß“ oder „erfolgreich“ heißt, ist eher schwierig zu definieren. Aber was drei Jahre nach dem Start des Blogs so passierte, spricht für diese Theorie. Wenn diese Dinge auch nicht direkt was mit der Seite zu tun haben mögen, so hat hier einfach alles seinen Anfang genommen.

2018 war nicht nur das Jahr, in dem ich sober wurde, Mr. A. endlich loslassen konnte. Es war auch das Jahr, in dem die Medien auf mich und meine Arbeit aufmerksam wurden. Das Jahr, in dem ich offiziell von der Einzelkämpferin zum Team wurde. Erst „nur“ Lasse, dann Marcel – und schließlich immer mehr Menschen, die auf die ein oder andere Weise, mit ihren Stärken, ihrem Wissen, ihren Erfahrungen meiner Mission und mir helfen.

2018 war das Jahr von #TUM4MIND, das Jahr des Buchvertrages, das erste Jahr mit vielen Reisen quer durch Europa als Mental Health Advocate.

Und es war das Jahr, an dessen Ende ich dann auch den Schritt in die volle Selbstständigkeit wagte – als Bloggerin, Autorin & Mental Health Advocate. Hatte ich vorher noch in Teilzeit in der Gastronomie gearbeitet, sozusagen als Absicherung, fühlte ich mich langsam bereit, alles auf diese Karte zu setzen. Und es war die richtige Entscheidung. Denn seither kann ich noch mehr Power, noch mehr Kraft in meine Mission stecken.

Hallo Mental Health Crowd

Neues Jahr, gleiche Richtung: mein 1-jähriger Soberday, das Buch kommt in die Läden, mehr Medienkontakt, unser Podcast geht online. Und dann natürlich: BERG & MENTAL. Das Crowdfunding und alles, was darum herum passiert ist.

Alles fühlte sich so toll, so richtig, so rund an. Nur eine Sache beschäftigte mich, uns immer wieder: Traveling | the | Borderline. So richtig passte der Name nicht mehr. Wir versuchten zu sortieren: Was mache ich als Selbstständige? Was ist BERG & MENTAL? Was TtB? Und kamen einfach nie zu einem schlüssigen Ergebnis.

Na klar tauchte recht früh die Überlegung auf, den Namen zu ändern. Aber wollte ich wirklich alles das, was ich mit TtB erreicht hatte, loslassen? Zumindest „in der Szene“ kannten inzwischen recht viele Leute den Blog, die Seite, den Namen. Ich hatte mir ein tolles Ranking in den Suchmaschinen erarbeitet. Diverse Verlinkungen in beide Richtung mit den verschiedensten Seiten. Um euch mal einen kleinen Eindruck zu machen, welche Reise diese Seite schon hinter sich hat, hier mal ein paar Zahlen:

  • 2015: 3547 Views bei 642 Besuchern
  • 2016: 5390 Views bei 1649 Besuchern
  • 2017: 13.527 Vies bei 5166 Besuchern
  • 2018: 42.732 Views bei 17.243 Besuchern
  • 2019: 61.803 Views bei 16.521 Besuchern (Stand 1. August 2019)

Das kann ich doch nicht alles weg tun?

Nein, kann ich nicht. Und muss ich auch nicht. Es war im „Urlaub“ in Kroatien, als wir mal wieder über die Aufteilung „was gehört wozu“ gesprochen haben, als die Idee kam: während unserer Crowdfunding-Kampagne hatte Eva aka. depridisco den Hasthag #mentalhealhcrowd ins Leben gerufen. Und wir ihn lieben gelernt. Warum dann nicht einfach so nennen?

Große Pläne

Das doofe an Traveling | the | Borderline – auch wenn ich den Namen bis heute toll finde – war zum einen die Länge, das fehlende „L“ in Traveling (leider hab ich damals auch welchem Grund auch immer die amerikanische Schreibweise verwendet) und vor allem die enge Verknüpfung zum Thema Borderline. Aber inzwischen waren ich, der Blog, wir ja soviel mehr als das.

Und vor allem wollten und wollen wir noch so viel mehr werden. Neben BERG & MENTAL – welches übrigens unter dem Dach der Mental Health Crowd als Produktmarke geführt wird, nicht als eigene Firma – können wir uns noch so viel mehr vorstellen. Das alles als TtB? Als TtB in Unternehmen gehen? Produkte entwickeln? Hätte vielleicht funktioniert. Aber mit dem neuen Namen fühlt es sich nochmal um einiges besser an.

An der Crowdfunding-Kampagne haben wir zu acht gearbeitet, über 500 Leute haben uns unterstützt. Auf dem Tollwood waren wir mehr als zehn Leute, beim Hackathon hatten wir ein ähnlich großes Team – nicht immer die gleichen Leute. Aber jedes Mal deutlich mehr als die eine Einzelkämpferin, die damals mit ihrem kleinen Blog die große Welt verändern wollte. Bei unserem ersten MENTAL HEALTH CROWD Meetup am 30. Juli im Café Bla in München waren wir knapp 40 Leute. Das kann man schon Crowd nennen!

Der Name trägt es schon in sich: Du bist nicht alleine! Wir alle haben eine Mental Health. Und wir als Crowd haben beschlossen, das Thema neu, anders, offener anzugehen. Wir wollen Dir zeigen, dass wir an Deiner Seite sind. Dass wir das zusammen rocken. Wieder Dank Eva haben wir schon ein wunderschönes Logo, in den letzten Wochen haben wir die Umstellung der Seite vorbereitet – und hoffen, sie gefällt euch.

Eine runde Reise

Und sicherlich werden die Rankings in den Suchmaschinen leiden. Leute verwirrt sein von der Namensänderung. Oder enttäuscht. Auf und hinter dieser Seite steckt zwar immer noch am meisten Dominique, aber die Gesichter, die Autorennamen werden mehr, zahlreicher, vielfältiger. Mails und Nachrichten nicht mehr nur noch von mir gelesen und beantwortet. Die Crowd ist jetzt der Ansprechpartner.

Nach außen hin werde wohl auch weiterhin ich das Gesicht sein – zumindest noch. Das Gesicht, die Stimme die raus geht. Dem Thema Öffentlichkeit verschafft, mit den Medien redet, Fotos teilt. Bis es auch in der Crowd Leute gibt, die sich das zutrauen. Die Bock drauf haben. So lange übernehme ich das gerne.

Und das ist wohl auch das, was diese ganze Reise so rund macht: Dass sich alles entwickeln, wachsen darf. Dass wir zwar Ziele haben und (große) Pläne – uns aber auch einfach dem Flow überlassen. Was seit diesem magischen Moment im Oktober 2015 alles passiert ist, hätte ich in dieser Form weder erwartet noch planen können.

Auf allen Kanälen wachsen die Zahlen stetig – ohne zu explodieren. Ich, wir kommen mit der Entwicklung hinterher, können uns dran gewöhnen. Können reagieren und werden nicht überfordert. Haben Zeit, zu verstehen, zu reflektieren, reinzufühlen.

Und so war und ist auch dieser Schritt jetzt hier einer, der sich von vorne bis hinten rund anfühlt. Klar war es komisch als wir beim Notar waren um die MENTAL HEALTH CROWD GmbH ganz offiziell zu starten. Ich bin jetzt Geschäftsführerin! (Lasse auch) Wer hätte das gedacht? Ich ganz sicher nicht. Aber es fühlt sich toll an. Auch Respekt, eine MiniDosis Angst, aber vor allem Vorfreude, Energie. Mal sehen, was die nächsten 3 Jahre und 10 Monate so bringen =)

Danke, Traveling the Borderline

Zum Anlass dieses großen Schrittes habe ich mal eine kleine Zeitreise in Videoform gemacht. Wer Lust hat und reinschauen möchte:

(ein ganz kleiner Fehler am Ende: statt 499 Besuchern waren es ein paar mehr, wie ihr oben lesen konntet. Da sollte 16.499 stehen)


Danke, TtB für vier wundervolle Jahre. Danke an meine Familie, Freunde, an Arvid und Lasse, an meine Crowd, an alle Leser, Unterstützer, Helfer. An alle, die Nachrichten schreiben und sich öffnen. An alle, die sich bedanken. Und Danke wohl auch an mich, dass ich damals auf „veröffentlichen“ gedrückt habe.

Hallo Mental Health Crowd – Hallo Leben und Arbeiten im Team, umgeben von einer fantastischen Crowd – Hallo Geschäftsführerin – Hallo Visionen – Ich freue mich auf euch!