Viertel vor Rückreise

So schön kann das Reiseleben sein! Und mit schönen Sonnenuntergängen kennt sich Indonesien aus!Lesezeit: 6 minuten

Viertel vor Rückreise

Der letzte Monat von THE|trip ist angebrochen. Lässt das in uns Wehmut aufkommen? Oder Vorfreude? Oder Panik? Wie sehen unsere Pläne aus – wenn es denn welche gibt. Und was macht überhaupt die Borderline?


Der aufmerksame Leser wird beim Lesen dieser Überschrift an den ersten Resümee-Artikel einen Monat nach Abreise gedacht haben. Der neugiereige Leser wird sich fragen, warum es denn eigentlich kein Wort zur Halbzeit von THE|trip gab. Nun, das lag daran, dass wir am Tag der Mitte, des Bergfestes, dem 2. Januar, zu beschäftigt waren. Mit dem Neuen Jahr, unserem Jahrestag als Paar und auch damit, zu begreifen, dass wir nochmal genau so viel Abenteuer vor uns haben, wie bereits hinter uns lag.

Nun, da ich hier auf Balis Nachbarinsel Lombok in einer wunderbaren Unterkunft, oder besser: Oase sitze, hat mich die Lust gepackt, mal wieder einen richtig klassischen Blogpost zu schreiben. Ohne großes Thema, einfach so. Was mache ich gerade? Wo bin ich? Wie geht’s mir? Und überhaupt. Und zufällig fällt diese Lust mit dem letzten großen Countdown unserer Reise zusammen. Was für ein schöner Zufall!

Die letzten Wochen waren ziemlich aufregend, turbulent und abwechslungsreich – als einziger roter Faden hat sich die Abwesenheit von gutem Internet herausgestellt. Die Weihnachtsferien haben wir in Munduk verbracht, in der Mitte Balis. Danach ging es für eine Woche an die Ostküste, nach Amed. Weiter ging es mit dem Visa-Run. Zwei Nächte in Sanur, an der Südostküste Balis, den Tag dazwischen in Singapur am Flughafen verbracht. Hach, war es dort sauber und das Internet schnell.

Am 15. Janaur schließlich ging es dann auf die Gili-Inseln. Drei kleine Landtropfen vor der Küste von Lombok. Wir haben uns für den größten der Tropfen entschieden, mit dem schönen Namen Gili Trawangan. Fünf Tage hatten wir geplant dort zu bleiben. Doppelt so viele sind es am Ende geworden. Und vor wenigen Tagen sind wir nun übergesetzt nach Lombok.

Das alles erzähle ich euch hier nur so kurz, weil es bald noch Artikel zu den einzelnen Stationen geben wird. Die sind auch schon geschrieben – aber Fotos hochladen ist bei diesen Internet-Verbindungen ein Ding der Unmöglichkeit. Und so viel Geduld hab ich einfach nicht. Deswegen schicke ich das alles nach, wenn der W-Lan Balken wieder auf grün steht. Damit ihr dann zu den grauen Worten auch schöne Bilder gucken könnt.

Vier Wochen To Go

Wahnsinn. Vier Wochen noch. Dann werden wir schon wieder daheim, im kalten (?) Deutschland sitzen und diese Reise wird Vergangenheit sein. Und andererseits: Wahnsinn! Vier Wochen noch! So viele Tage noch, die voll von Reisen, Abenteuern und Neuem sein werden. Der Endspurt von THE|trip ist länger als der Jahresurlaub so manch armem deutschen Büromenschen. Wirklich sentimental zu werden wollen wir uns also gar nicht erlauben.

Der Plan ist, noch ein paar Tage hier auf Lombok zu blieben. Vor allem, weil unsere Pässe im Büro der Einwanderungsbehörde gerade noch eine Auszeit von uns nehmen. Zweites Mal Visa-On-Arrival verlängern. Hier auf Lombok geht das etwas einfacher und vor allem günstiger als auf Bali.

Sobald das geregelt ist schnappen wir uns ein Boot und fahren wieder zurück nach Bali. Und zwar nochmal nach Ubud. Dort hat es uns einfach doch ziemlich sehr gut gefallen. Und in den fünf Tagen, die wir am Anfang der Bali-Zeit dort verbracht haben, haben wir ja nur einen Ausschnitt der Stadt und der Gegend gesehen. Wir haben beide das Gefühl „Da geht noch mehr!“.

In Ubud wollen wir es dann auch nochmal wie in Canggu machen. Eine feste Bleibe für die restliche Zeit. Keine Umherzieherei mehr. Sondern eine schöne Base. Hoffentlich mit gutem Internet. Dann und wann Ausflüge nach hier und dort. Wir freuen uns darauf, nochmal ein wenig reise-sesshaft zu werden.

Denn das viele Umziehen und ständig Ort wechseln der vergangenen Wochen hat uns wieder deutlich gezeigt: zu schnelles Reisen ist nicht unser Ding. Das langsame Reisen hat einfach verdammt viele Vorzüge. Im Moment fühle ich mich so, als wäre meine Speicherkarte voll. Kein Platz mehr, um neue Dinge und Eindrücke zu speichern. Ich brauche etwas Zeit, um ein bisschen was zu verarbeiten, bevor ich was neues oben drauf packen kann.

Außerdem möchten wir nochmal die Annehmlichkeiten, die sich in und um Ubud herum so angesammelt haben, auskosten. Ja, im ersten Ubud-Artikel habe ich ein wenig drüber gelästert. Über die Eat-Pray-Love Kultur. Und über Westlerinnen mittleren Alters, die hoffen, in Ubud von all ihren Sünden erlöst zu werden.

Aber wenn das Angebot schon so groß ist, dann werde ich nochmal so richtig reinhauen. Bevor ich auch mittleres Alter erreicht habe. Ein paar Yoga-Stunden im Reisfeld besuchen. Ein bisschen in den alternativen Lädchen letzte Mitbringsel shoppen gehen. Ein paar Tage vegan leben ausprobieren. Denn das geht wirklich nirgendwo besser als dort in Ubud. Und ich freue mich drauf! Healthy Body – Healthy Mind pur, also. Dazu ein bisschen Arbeiten, im Coworking-Space mit anderen Bloggern, Langzeitreisenden und digitalen Nomaden austauschen. Wenn ich das alles nur schreibe juckt es mich schon in den Fingern, endlich wieder nach Ubud zu kommen.

Heimweh oder Rückreisepanik?

Arvid und ich haben schon darüber geredet, wie es uns mit dem nahenden Ende der Reise so geht. Und wir sagen beide: es ist gut so! Wir haben alles richtig gemacht. Na klar, wir sagen auch: „Sobald wir wieder daheim sind, werden wir schnell wieder weg wollen.“ Aber im Moment fühlt sich einfach alles genau richtig an.

Ich habe so viel auf dem Zettel, was mich erwartet, wenn ich zurück in München bin. So viele Pläne, Dinge und Ideen, die auf Umsetzung warten. So viele Gedanken, die nun viele Wochen Zeit hatten, in meinem Kopf zu heranzuwachsen. Und die langsam reif werden. Es wird bald Zeit, da ein bisschen was zu ernten. Wenn ich durchgehe, was ich alles tun möchte, wenn THE|trip vorbei ist, dann werde ich ganz kribbelig.

Das Heimweh hat uns beide zum Glück immer noch nicht gepackt. Na klar, die Dinge und Menschen, die man vermisst, werden mehr. Mit am meisten freuen wir uns aber wahrscheinlich auf alltägliche Annehmlichkeiten wie trinkbares Leitungswasser, schnelles W-Lan, Bürgersteige, Mülltonnen, eine Waschmaschine mit heißem Wasser. Und Brot. Und Käse. Aber das sind alles Dinge, ohne die wir es auch noch eine Weile aushalten könnten.

Unsere Lieben zu Hause sind dank moderner Technik ja eigentlich immer bei uns. Auch wenn FaceTime mal nicht so will, schreiben geht immer. Die Lust an der guten alten Postkarte vermiest mir das aber noch lange nicht. Und natürlich ersetzt auch der ausführlichste What’sApp Chat nicht den gemeinsamen Tatort-Abend. Oder eine schöne, feste Umärmelung. Auch diesbezüglich gibt es also einiges, worauf wir uns freuen – keine Sorge!

Zwei Dinge vermisse ich aber dann doch ein bisschen mehr: unseren VW-Bus. Und die Berge! Das sind wirklich die einzigen Sachen, wo ich geradezu wehmütig werde. Wenn ich Fotos von unseren Bergtouren sehe. An Hütten mit Kaiserschmarren und Käsespätzle denke. Die Ruhe und Luft in den Alpen. Und unsere vielen schönen Bücher voller Touren, die noch absolviert werden wollen. Wenn ich also am Schluss doch nicht von hier weg wollen sollte – dann schaue ich nur durch meine Alben oder lese mir auf der Seite vom DAV ein paar Tourentipps durch und schon sollte das erledigt sein.

Kurz und gut: im Moment freuen wir uns sehr auf die Wochen, die noch vor uns liegen. Und wir freuen uns darauf, zurück nach Hause kommen. Und wir freuen uns darauf, bald wieder loszuziehen!

Wie geht’s uns denn heute?

Heute? Gut. Vor ein paar Tagen? Nicht ganz so gut. Das lag mal wieder an meiner unterbrochenen Selbstfürsorge-Routine. So sehr ich weiß, dass ich auf sie angewiesen bin – ab und zu passiert es trotzdem, dass die Umstände mich aus meiner Bahn werfen. Und diese Umstände haben sich auf Gili Trawangan zusammen gefunden.

Angefangen hat alles noch ganz kontrolliert. Während unserer fünf Tage Luxus-Leben-und-Genießen in der Pearl of Trawangan. Einmal richtig über die Budget-Stränge schlagen und das süße Inselleben in vollen Zügen genießen. Ohne auf das Geld zu schauen. Ohne schlechtes Gewissen. Und ohne meine normale Disziplin. Und das war wohl schon der Anfang allen Übels.

Meditation und Sport nur sehr halbherzig absolviert. Es war ja schließlich Relaxen angesagt. Den Schlaf vernachlässigt. Den Alkohl zu sehr genossen – was mich angeht sind das die Zutaten für eine garantierte Abwärts-Achterbahnfahrt.

Nach den fünf Tagen Pearl sind wir umgezogen, haben uns wieder in unsererm normalen Budget eingenistet. Und eigentlich sollte die Selbstfürsorge auch wieder mit uns dort einziehen. Leider kamen dazwischen: 1. eine zu kleine Unterkunft und zu hohe Temperaturen – das erschwert die tägliche Verabreichung der erforderlichen Sportdosis und das Nehmen meines nötigen Freiraums. 2. zu viele, zu nette Menschen, mit denen man zu gerne getrunken, gefeiert und die Nächte verquatscht hat – das wirbelt dann auch die letzten Reste meiner Routine durcheinander. Konsequenz und Disziplin lagen so wie ich in der Hängematte. Keine Wachen mehr, Tür und Tor standen offen für allerlei Gedanken. Und ich war wehrloses Opfer meines eigenen Kopfes.

Ergbenis dieser ganzen Geschichte waren einige Tage, in denen ich ganz schön zwischen meinen Launen umhergeworfen wurde. Viel schwarz war dabei. An manchen Tagen sogar sehr viel davon. Da konnte die Sonne noch so sehr scheinen, das Meer noch so schön rauschen und der Strand noch so weiß sein.

Am Schlimmsten an der ganzen Sache aber ist für mich gerade, dass es so komplett selbst verschuldet war. Ich sollte es doch inzwischen besser wissen. Sollte wissen, dass ich meine Anker brauche, um mich in der Bahn zu halten. Warum hat es mich dann also so erwischt?

Vielleicht, weil es nicht immer der spaßigste Weg ist, seinen Alltag „vernünftig“ zu verbringen. Wenn man früh am Morgen Sport machen und meditieren möchte. Wenn man auf seine Ernährung und sein Trinkverhalten acht gibt. Wenn man früh ins Bett geht, weil der Schlaf so wichtig ist – die Nächte durchsaufen und Tanzen bis zum Morgengrauen klingt da ganz anders. Mehr nach den Botschaften, die man von außen immer über das schöne Leben vermittelt bekommt.

Wenn dann neben mir andere Menschen all dies einfach tun, ohne am nächsten Tag zu bereuen, ohne mal einen Gang runterzuschalten. (Ohne auf sich zu achten?) Dann springt in mir wohl etwas an. Ist es Neid? Ist es Trotz? Ich weiß es nicht. Hätte ich eine „sichtbare“ Krankheit, dann würde mir auch keiner übel nehmen, dass ich kürzer trete und nicht bei allem mithalte.

Nun gut – seit wir auf Lombok sind hat sich die Achterbahn wieder beruhigt. Nur noch die normalen Ups and Downs. Ich absolviere wieder meine Morgenstunde (Yoga, Sport, Meditation), schlafe genug und lasse den Alkohol weg. Und schon geht es mir besser. Und ich schwanke zwischen „Mensch, Dommi, hätte jetzt echt nicht sein müssen“ und „Siehst du, es liegt an dir – du kannst beeinflussen, wie es dir geht“. Und ich glaube, letzteres gefällt mir besser.