Wie es sich anfühlt, ein Buch geschrieben zu haben

This is it: mein Buch.Lesezeit: 8 minuten

Wie es sich anfühlt, ein Buch geschrieben zu haben

Ich bin nun also Autorin. Buchautorin. Offiziell. Ich habe ein Buch geschrieben. Wie fühlt sich das an? Was macht das mit einem? Nun, natürlich ändert sich das Leben nicht von heute auf morgen, nur weil ein bisschen Papier mit dem eigenen Namen drauf in den Läden liegt. Trotzdem waren die letzten Tage und Wochen – nicht nur, aber besonders wegen des Buches – ganz schön intensiv.


Nein, ich habe mich noch nicht dran gewöhnt, mein Gesicht auf dem Cover eines Buches zu sehen. Oder Widmungen in Bücher zu schreiben. Oder aus meinem eigenen Buch vorzulesen.

Zu diesem Zeitpunkt ist das Buch gerade erschienen. Erste Menschen haben es gelesen, andere bekommen es dieser Tage zugesandt. Mich erreichen erste Fotos von Menschen, mit denen ich seit langem oder sehr langem keinen Kontakt mehr hatte und die mich nun plötzlich in Buchhandlungen liegen sehen und mir davon Fotos schicken. Noch habe ich wenig Reaktionen, Meinungen, Feedback erhalten. Was vor allem noch auf sich warten lässt sind erste Kritiker. Aber ich bin sicher, auch die werden kommen.

Ich gebe erste Interviews, bei denen es aber weniger um das Buch als um meine Mission generell geht – was auch total ok ist, denn dieses Buch ist ja quasi meine Mission komprimiert auf 240 Seiten. Ich möchte nun mal verändern, dass und wie wir über psychische Gesundheit reden. Ob das nun lesend oder redend oder als Autorin oder Mental Health Advoate passiert, ist im Grunde egal. Hauptsache, es wird geredet. Als erstes großes Highlight geht’s dann bald auf die Leipziger Buchmesse.

Ein Blick zurück

Bevor ich aber weiter im Jetzt bleibe, nochmal kurz ein paar Schritte zurück. Wie kam es eigentlich zu dem Buch? Und wie ist aus der ersten Idee ein fertiges Werk geworden?

Nun, die Idee ein Buch zu schreiben war schon älter. Nicht ganz so alt wie der Blog (*2015). Aber doch schon ein paar Jährchen in meinem Kopf. Letztes Jahr nun habe ich mich ganz vorsichtig mit dem Gedanken angefreundet, dass ich wohl irgendwie recht gut schreibe, dass mir das liegt. Ich gewöhne mich immer noch dran, das zu akzeptieren – dass ich in etwas gut bin – aber die vielen tollen Rückmeldungen über all die Monate haben diesen kleinen Gedanken in mir doch immer größer werden lassen.

2018 dann habe ich den Gedanken das erste Mal dann gepackt und mir genauer angeschaut. Den mit dem Schreiben. Und den mit dem Buch. Und habe aus dem groben Plan eine konkrete Idee werden lassen. Habe mich informiert, wie man einen Verlag findet, wie ein gutes Exposé aussieht und habe dann Mitte des Jahres eine Handvoll Verlage und Agenturen angeschrieben. Darauf hin kamen aber entweder Absagen oder gar keine Reaktionen. Aber das war noch nicht schlimm. Das waren nur die ersten Versuche.

Bevor ich dann in eine neue Runde starten konnte, hat sich das Leben, Schicksal, Karma eingeschaltet. Und zwar in Form eines Freundes von Lasse. Die beiden kennen sich noch aus Lasses Snooker-Zeiten. Und als eben dieser Freund dann nach und nach erfuhr, was ich und wir da so treiben und das wohl irgendwie gut fand, meinte er „Ich hab da einen guten Freund, der hat einen Verlag. Soll ich dem mal was schicken?“ Und zack, lag mein Exposé bei eben diesem Verlag. Sehr kurze Zeit später bekam ich schon einen Anruf, es fand ein Treffen statt, man lernte sich kennen, alle Seiten konnten sich eine Zusammenarbeit gut vorstellen. Und kurz darauf unterschrieb ich im September 2018 einen Autorenvertrag beim Scorpio-Verlag.

Von der Idee zum Buch

Einziger „Haken“ am Vertrag: ich hatte nur knapp drei Monate Zeit, um das Buch zu schreiben. So wirklich als Haken hab ich das aber nicht empfunden. Ich mag es, die Dinge kurz und knackig zu machen. Und da ich doch recht gut darin bin, mich und meine Arbeit einzuschätzen, hatte ich keine Zweifel daran, dass ich das schaffen würde. Unterstützt hat mich dabei der Vorschuss des Verlages, der mich für diese Zeit doch – finanziell – deutlich entspannte.

So hab ich mich also dran gemacht, zwischen dem „normalen“ Wahnsinn des Alltags zu schreiben. Wann immer und wo immer sich Gelegenheit bot. Das konnte zuhause auf dem Sofa, im Arbeitszimmer, im Zug nach Brüssel oder unterwegs auf dem Handy sein. Am längsten hat es wohl gedauert, bis die Grundstruktur stand. Die erste Zeit sammelte ich einfach nur Themen, Schlagworte, Bereiche, über die ich schreiben wollte. Mit als erstes stand der Prolog und der Teil, in dem ich mich bei Menschen bedanke.

Schreibblockaden oder ähnliches gab es nicht. Es gab so viel, was ich schreiben und in die Tasten bringen wollte, dass es einfach nur toll war, am Buch arbeiten zu können. Trotzdem kamen zwischendrin Zweifel. Am Buch, an meinen Fähigkeiten, an meiner Mission generell. Und Ängste: Was, wenn keiner das Buch lesen will? Was, wenn ich nur schlechte Reaktionen bekomme? Was, wenn dem Verlag mittendrin auffällt, dass ich überhaupt nicht das bringe, was sie von mir erwarten?

Zu einem gewissen Teil gehören solche Gedanken wohl zu solch einem Prozess dazu. Man schreibt schließlich nicht jeden Tag ein Buch. Und vor allem schreibe ich ja keinen Fantasy-Roman, sondern in gewisser Weise über mein Leben. Schicke private Dinge in die Welt hinaus. Aus Überzeugung, dass einfach mal jemand anfangen muss. Genau diese Gedanken haben mich dann auch immer wieder zurück gebracht.

Von dieser Achterbahn gelang aber mal wieder kaum was nach außen. Mit dem Verlag stand ich während dieser Zeit zwar ständig im Kontakt. Aber dabei ging es nicht um meinen Kopf und die kleinen Monster darin, sondern die Ebene war doch etwas professioneller. Ich hielt sie auf dem Laufenden, schickte erste Auszüge und wir berieten uns über die Struktur.

Ein Buch entsteht

Und dann, zwei Wochen vor dem vertraglich festgelegten Datum, war ich fertig. Mit der Rohversion. Und einer Punktlandung bei der Länge: der Umfang sollte etwa 240 Seiten sein. Das Dokument, das ich dem Verlag schickte, meldete: 240 Seiten. Ich glaube, das passierte ihnen nicht so oft. Dass ein Autor beim ersten Werk sowohl zeitlich als auch vom Umfang so brav ist. Da hab ich mich schon ein bisschen gefreut.

Was nun folgte war das Lektorat. Hier dürfte ich mich einer wundervollen Lektorin zusammenarbeiten, die sich im Thema auch auskannte und den Job schon ziemlich lange macht. Schon nach den ersten Seiten bekam ich von ihr die Rückmeldung: „Gut, was das Schreiben an sich angeht muss ich ja quasi gar nichts bei dir machen. Das kannst du einfach. Nur bei der Struktur kann ich dir vielleicht noch helfen.“ Eine schöne Rückmeldung.

Und in der Tat bekam ich dann in den nächsten Wochen mein Buch abschnittsweise von ihr zurück. Hier ging es weniger um Rechtschreibfehler – auch wenn sie alle, die sie gefunden hat, ausgebessert hat – sondern mehr um den Inhalt an sich. An ein paar Stellen wies sie mich darauf hin, dass der Leser noch mehr Infos bräuchte oder dass ich mich hier vielleicht etwas zu kompliziert ausgedrückt hatte. Aber die Bemerkungen hielten sich wirklich in Grenzen und waren allesamt mehr als brauchbar. Zur gleichen Zeit dürfte Lasse einmal lesen – als einziger. Und auch von ihm kam nochmal toller Input.

Als dieser Teil fertig war ging es an die Gestaltung. Das Cover musste schon im Dezember stehen, weil dann die Kataloge gedruckt wurden. Da gab es also nichts mehr dran zu machen. Nun ging es an das Innenleben. Und da bin ich froh, dass vom Verlag der Vorschlag kam, den Text mit ein paar kleinen Männchen aufzulockern. Und auch da hat ihre Grafikerin einen tollen Job gemacht und ihre kleinen Illustrationen lockern das Buch auf und bereichern es gleichzeitig.

Als das alles stand und der Text auch noch mal von einer Korrektorin durchgearbeitet war wurde der Text gesetzt, also das finale Layout an das Seitenformat angepasst. Dann sind alle Beteiligten nochmal über das Buch durch und über jede einzelne Seite drüber gegangen. Und dann: ging es im Februar in den Druck.

Herzlichen Glückwunsch – es ist ein Buch!

Diese Zeit war dann irgendwie die schlimmste seit Beginn des ganzen Prozesses: die Warterei. Ich wusste, das mein Buch nun irgendwo in Deutschland gerade gedruckt wurde. Dass große Maschinen damit beschäftigt waren, meine Worte auf Papier zu drucken. Ich wusste auch, dass dies etwa zwei Wochen dauern würde. Sobald diese Zeit vorbei war rechnete ich quasi täglich damit, ein Exemplar im Briefkasten zu haben.

Doch es kam nicht.

Und kam nicht.

Und die Tage vergingen.

Und ich wurde unruhiger.

Und nervöser.

Und dann: die Mail meiner Verlegerin! Sie sei gerade aus dem Urlaub gekommen. Auf ihrem Schreibtisch wartete mein Buch. Ob ich denn auch schon eines hätte? NEIN! Habe ich nicht. Her damit! Zum Glück lief sie quasi sofort zum Briefkasten, als sie erfuhr dass es im Gegensatz zu ihr, noch nicht vor mir hatte. Und einen Tag später war es dann da. Es war ein Samstag. Ich ging zum Briefkasten. Sah den Umschlag. Und wusste, dass es da drin ist. Fünf Stockwerke nach oben. 80 Stufen, auf denen die Emotionen und Gedanken gleichzeitig Walzer tanzten, Achterbahn fuhren und chaotisch durcheinander liefen.

Mit dem Öffnen wartete ich tatsächlich, bis ich oben in der Wohnung war. Lasse war auch da. Holte sein Handy raus und hielt drauf. Während ich den Umschlag öffnete. Und mein Buch rausholte. Hatten die Gefühle davor Walzer getanzt so wurde nun eine zuckende Technoparty draus. Aus der Achterbahn wurde ein Überschallflugzeug. Und ich war einfach nur überfordert. Für das Video hab ich mich gefreut. Aber in mir drin lief alles durcheinander, was nur durcheinander laufen konnte. Sobald Lasse fertig war hab ich daher auch das Buch zu Seite gelegt und es mit dem Umschlag verdeckt. Schrittweise Annäherung.

Aus Überforderung wird Freude

Glücklicherweise gab es nicht nur Lasse, sondern weitere Freunde und meine Familie, die sich erstmal für mich freuten. Bilder wurden verschickt, die Nachricht verbreitet, dass es endlich da ist. Und ich war weiterhin überfordert. Es brauchte eine schnelle Laufeinheit, ein paar Stunden Abstand und eine vorsichtige Annäherung, bis sich endlich auch in mir das Gefühlschaos legte und eine Emotion als Siegerin feststand: Freude. Der zweite Platz ging an den Stolz.

Hatte mein Kopf bei der ersten Begegnung mit dem Buch noch Kritik ausgespuckt, mich mit Selbstzweifeln und Vorwürfen beworfen und all die Arbeit in den Dreck gezogen so verkrümelten sich diese Gesellen langsam in den Hintergrund. Vertrieben von den Siegern. Und bald konnte ich das Buch auch richtig stolz halten, zeigen, präsentieren.

Die Achterbahnfahrt ist aber damit natürlich noch nicht vorbei. Wahrscheinlich geht sich gerade erst los. Und ich merke, dass ich auf mich aufpassen darf. Dass es keine Kleinigkeit ist, die ich da gerade erlebe. Dieses Buch enthält ganz schön viele Dinge, die entweder sehr persönlich und/oder mir wahnsinnig wichtig sind. Und damit mache ich mich natürlich verletzbar. Zeige mich der Öffentlichkeit unverstellt und irgendwie emotional nackt. Und das bei einem emotional-instabilen Menschen.

Deswegen ist es gerade umso wichtiger, dass ich mich um mich kümmere. Dafür sorge, dass sich nichts anstaut oder in meinem Hinterkopf einnistet. Dass ich mir Ruhe gönne, Auszeiten um irgendwie hinterherzukommen. Denn es gibt ja auch noch ein Leben neben dem Buch. Ein Leben, in dem gerade die Vorbereitungen für ein Mental Health Café laufen. Was toll ist und Spaß macht, aber gerade auch viel Arbeit bedeutet: Meetings, Gespräche, Projektskizzen, Pitches, Events, Vernetzen, Finanzierung, Förderung, Crowdfunding, Unterstützer, Formalitäten, Gründung, Versicherungen, Seminare, Kurse, Infrastruktur, Einrichtung – um euch nur mal ein paar Stichworte zu nennen. Und irgendwie zwischen all dem auch noch Geld verdienen, Freunde und Familie sehen, einen Marathon vorbereiten und schlafen. Da darf man schon mal etwas mehr auf sich aufpassen.

Auf ein Neues

Und dann die unschuldige Frage einer Freundin: ob und wie ich denn gefeiert hätte. Gefeiert? Und mir fällt auf, dass ich keinen der bisher absolvierten Schritte gebührend gefeiert habe. Kein schönes Essen, kein kleiner Luxus, kein alkoholfreier Sekt. Wahrscheinlich, weil ich das selber alles noch gar nicht wirklich verstanden habe. Weil es einfach immer so viel zu tun gibt. Nicht nur rund ums Buch, sondern auch und vor allem rund um TtB. Inne halten geht da irgendwie unter.

Bezogen auf das Buch ist es eine Mischung aus Genießen, Ungläubigkeit, Freude und Vorsicht, die mich da wohl gerade lenkt. Die mich all den Trubel, alle ersten Male, die ich gerade erlebe, einfach genießen lässt. Die nicht zu weit ins Morgen denkt, sondern mich schön brav und achtsam im Moment festhält. Die meine Ängste und Zweifel mit Stolz und Tatsachen in Schach hält.

Und wer weiß: vielleicht wird mein erstes Buch ja nicht mein letztes Buch gewesen sein? Vielleicht werde ich nachlegen dürfen? Noch mehr Gedanken und Worte zu Papier bringen dürfen? Soviel darf wohl verraten sein: erste Andeutungen kamen bereits von meiner Verlegerin.

Wenn die Frage also lautet: Wie fühlt es sich an, ein Buch geschrieben zu haben? Dann sage ich heute: fragt mich in einem halben Jahr nochmal. Dann ist mein Kopf vielleicht mit den Entwicklungen hinterhergekommen. Und ich bin bereit, zu feiern. Vielleicht dann sogar mehr als ein Buch.